/ Stefan Kress

Bot-Traffic verfälscht Ihre Analytics – wie Sie ihn herausrechnen

Ein relevanter Anteil der Zugriffe auf eine Website kommt nicht von Menschen, sondern von Maschinen: Suchmaschinen-Crawler, LLM-Bots wie GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot, dazu Scraper und Scanner. In der Webanalyse blähen diese Zugriffe Ihre Besucherzahlen auf und verzerren Kennzahlen wie Sitzungsdauer und Absprungrate. Wer den Bot-Anteil sauber trennt, statt ihn zu blocken, gewinnt belastbare Zahlen – und entscheidet bewusst, welche Maschinen er zulässt und welche nicht.

Derselbe Bot-Zugriff, drei gegensätzliche Deutungen

Derselbe Bot-Zugriff erscheint je nach Blickwinkel völlig anders. Genau diese Mehrdeutigkeit ist der Grund, warum Bot-Traffic so oft unbemerkt Ihre Auswertung verfälscht.

  • Marketing sieht im Analytics-Tool einen Anstieg der Zugriffe und freut sich über vermeintliches Wachstum – obwohl kein einziger potenzieller Kunde dahintersteckt.
  • Die Logfiles entlarven denselben Zugriff als Maschine: identischer User-Agent, auffällige Frequenz, kein Laden von Bildern oder Skripten.
  • Die Härtung entscheidet, was zu tun ist – den nützlichen Crawler zulassen, den schädlichen Scanner aussperren.

Drei Disziplinen, ein Datensatz. Erst wenn diese Sichten zusammenspielen, wird aus Rohverkehr eine ehrliche Kennzahl.

Woran Sie einen Bot erkennen

Maschinen verhalten sich anders als Menschen, und dieses Verhalten hinterlässt Spuren. Einzelne Signale sind nie ein Beweis, aber in Kombination ergeben sie ein klares Bild:

  • User-Agent: Viele seriöse Bots kennzeichnen sich offen, etwa Googlebot, GPTBot oder ClaudeBot. Verlassen sollten Sie sich darauf nicht – ein User-Agent lässt sich beliebig fälschen.
  • Zugriffsfrequenz: Dutzende Seitenaufrufe pro Sekunde oder ein streng systematisches Abklappern aller Unterseiten ist menschlich nicht plausibel.
  • IP-Muster: Zugriffe aus Rechenzentrums-IP-Bereichen oder von Adressen, die seriöse Anbieter offiziell dokumentieren, lassen sich zuordnen.
  • Fehlende JS-Ausführung: Viele Bots laden nur das HTML und ignorieren JavaScript, Bilder und Stylesheets. Wer kein Skript ausführt, taucht in JS-basierten Trackingtools oft gar nicht erst auf.

Warum reine JS-Tracker die Wahrheit nur halb zeigen

Klassische Analytics-Tools – egal ob Matomo oder Google Analytics in der JavaScript-Variante – zählen einen Besuch erst, wenn ein eingebettetes Skript im Browser ausgeführt wird. Das filtert viele simple Bots automatisch heraus, weil sie kein JavaScript laden. Das klingt praktisch, führt aber zu zwei Problemen:

  • Es entsteht ein falsches Sicherheitsgefühl: Was im Dashboard nicht auftaucht, scheint nicht zu existieren – obwohl die Maschine sehr wohl auf Ihrem Server war.
  • Anspruchsvolle Bots führen inzwischen JavaScript aus und rutschen damit als vermeintlich echte Besucher durch. Gerade Scraper, die Inhalte vollständig erfassen wollen, rendern Seiten wie ein echter Browser.

Das Resultat: Sie sehen einen Teil der Bots gar nicht und zählen einen anderen Teil fälschlich als Menschen.

Die Logfiles sind die vollständigere Quelle

Jeder Zugriff auf Ihren Server – ob Mensch oder Maschine, ob mit oder ohne JavaScript – landet im Server-Logfile. Damit ist das Logfile die einzige Quelle, die wirklich jeden Request sieht, und genau deshalb die belastbare Basis für die Bot-Trennung. Vollständig heisst allerdings nicht selbsterklärend: Ob hinter einem Zugriff ein Mensch oder eine Maschine stand, steht nicht im Log – das ergibt erst die Mustererkennung.

Wer Bots ehrlich von Menschen trennen will, schaut nicht ins Analytics-Dashboard, sondern ins Server-Logfile – dort steht jeder Zugriff, ungefiltert.

Im Logfile lassen sich User-Agent, IP, Zeitstempel und angefragte Ressource zusammenführen und Muster sichtbar machen, die ein JS-Tracker prinzipbedingt nicht kennt. So bekommen Sie eine Grössenordnung dafür, wie hoch der Maschinenanteil tatsächlich ist – und können Ihre Analytics-Zahlen entsprechend einordnen.

Bots trennen statt pauschal blocken

Bot-Traffic ist nicht per se schädlich. Suchmaschinen-Crawler sind die Voraussetzung dafür, dass Sie überhaupt gefunden werden. Und LLM-Crawler werden für die Auffindbarkeit in KI-gestützten Such- und Antwortsystemen zunehmend relevant – wer sie aussperrt, kann einen wachsenden Auffindbarkeitskanal einschränken (Generative Engine Optimization). Die Aufgabe lautet darum nicht «blocken», sondern «sauber unterscheiden»:

  • Bekannte Bots filtern oder segmentieren: Beide gängigen Tools bieten Bot-Filter. In Matomo lassen sich bekannte Bots ausschliessen, Google Analytics filtert bekannte Bots und Spider automatisch anhand einer Branchenliste – die aussortierten Zugriffe sind danach allerdings nicht mehr einsehbar. Ein aktivierter Bot-Filter verbessert die Datenqualität, ersetzt aber keine Analyse des Rohverkehrs. Wichtig ist, dass Sie wissen, was gefiltert wird.
  • Legitime Crawler bewusst zulassen: Suchmaschinen- und ausgewählte LLM-Bots gehören durchgelassen – sie sind Teil Ihrer Auffindbarkeit, nicht ihr Gegner.
  • Nur Schädliches blocken: Scraper, die Inhalte abgreifen, oder Scanner, die nach Schwachstellen suchen, gehören auf Server-Ebene ausgesperrt. Das ist Aufgabe der Härtung, nicht des Analytics-Tools.

So bleiben Ihre Kennzahlen sauber, ohne dass Sie Ihre Sichtbarkeit beschädigen.

Welche Maschinentypen Sie unterscheiden müssen

«Bot» ist eine Sammelbezeichnung für Programme mit gegensätzlichen Absichten. Die Entscheidung – zulassen, filtern oder sperren – fällt nicht für «Bots», sondern pro Typ:

TypTypische KennungWas er willNutzen für SieSinnvoller Umgang
Suchmaschinen-CrawlerGooglebot, bingbotIhre Seiten indexierenVoraussetzung dafür, gefunden zu werdenzulassen, aus der Analyse filtern
LLM-BotGPTBot, ClaudeBot, PerplexityBotInhalte für KI-Antworten erfassenSichtbarkeit in KI-Antwortenbewusst entscheiden, segmentiert auswerten
Monitoring / Uptime-Diensteigener oder generischer User-Agent, immer gleiche IP, fester TaktErreichbarkeit prüfenbetrieblich nötigausschliessen – sonst zählt Ihr eigener Wächter als Besucher
Scraperoft getarnt als BrowserInhalte, Preise, Adressen abgreifenkeinerauf Server-Ebene sperren
Schwachstellen-ScannerAufrufe auf /wp-login.php, /.env, /adminLücken findenkeinerauf Server-Ebene sperren, Muster beobachten
Vorschau-Bot aus Chat und SocialAbruf beim Teilen eines LinksVorschaubild erzeugenneutralausschliessen – ein geteilter Link ist kein Besuch

Der Punkt dieser Tabelle: Die ersten beiden Zeilen dürfen Sie nicht sperren, die letzten beiden dürfen Sie nicht zählen – und die mittleren beiden verfälschen Ihre Zahlen am unauffälligsten, weil sie regelmässig und unspektakulär kommen.

Wie Sie Ihren eigenen Bot-Anteil bestimmen

Den Maschinenanteil zu beziffern, verlangt kein neues Werkzeug – nur das Access-Log und eine feste Reihenfolge. Sie arbeiten sich vom Rohverkehr in mehreren Abzügen zum menschlichen Rest vor.

  1. Rohzugriffe für einen festen Zeitraum zählen. Nur Aufrufe von HTML-Dokumenten, nicht von Bildern, Stylesheets, Schriften oder Skripten. Statuscode 200 und 304 zählen, Weiterleitungen und Fehler nicht. Nehmen Sie mindestens eine volle Woche – Crawler haben Tages- und Wochenrhythmen, ein einzelner Tag täuscht.
  2. Selbstdeklarierte Bots per User-Agent abziehen. Das ist der grosse, einfache Block: Suchmaschinen- und LLM-Bots kennzeichnen sich in der Regel offen. Notieren Sie den Anteil pro Bot getrennt, statt ihn in einer Summe zu ertränken – die Verteilung ist die eigentliche Information.
  3. Die Selbstdeklaration verifizieren. Ein User-Agent ist eine Behauptung, kein Ausweis. Die grossen Anbieter dokumentieren ihre IP-Bereiche und lassen sich per Reverse-DNS mit anschliessendem Vorwärts-Abgleich bestätigen. Was sich als Googlebot ausgibt, aber aus einem beliebigen Rechenzentrum kommt, ist kein Googlebot – und gehört in die Kategorie «getarnt».
  4. Den Rest über das Verhalten prüfen. Für die verbleibenden Zugriffe zählen die Muster: keine Assets nachgeladen, kein Referrer, gleichmässige Zeitabstände, systematisches Durchgehen der Sitemap, Aufrufe auf Pfade, die es bei Ihnen gar nicht gibt. Jedes Signal für sich beweist nichts, drei zusammen genügen.
  5. Gegen das Tracking stellen. Vergleichen Sie die bot-bereinigten Log-Seitenaufrufe mit den Seitenaufrufen aus Ihrem Analytics-Tool – dieselbe Kennzahl, derselbe Zeitraum. Liegt das Tracking darunter, sehen Sie Ihren Consent-Gap. Liegt es darüber, zählt Ihr Tracking Maschinen als Menschen: ein Bot, der JavaScript ausführt.

Zwei Fallstricke, an denen diese Rechnung in der Praxis scheitert:

  • Ein vorgelagerter Cache. Liefert ein CDN oder ein Page-Cache die Seite direkt aus, erreicht der Bot-Zugriff Ihren Server nie und fehlt im Origin-Log. Sie unterschätzen den Maschinenanteil dann systematisch – und zwar genau bei den Bots, die am fleissigsten dieselben Seiten holen. Wer ein CDN einsetzt, muss dessen Logs heranziehen.
  • Die eigenen Zugriffe. Uptime-Monitoring, das Backup-Skript, der Preview-Abruf, wenn jemand einen Link in einen Chat stellt, und die Redaktion, die ihre eigene Seite kontrolliert: Das sind auf einer kleinen KMU-Website keine Randgrössen. Wer sie nicht vor der Bot-Rechnung ausschliesst, erklärt sein eigenes Rauschen zum Trend – und wundert sich, warum der «Verkehr» an Werktagen zwischen 8 und 17 Uhr am höchsten ist.

Und eine ehrliche Grenze: Einen getarnten Scraper, der einen echten Browser fernsteuert, Assets nachlädt und sich Zeit lässt, unterscheiden Sie im Log nicht sicher von einem Menschen. Sie erkennen ihn erst, wenn er skaliert – an der Menge, nicht am einzelnen Zugriff.

Ein Teil Ihres Verkehrs sind Maschinen, keine Kunden

Wenn in einer Sitzung die Besucherzahl des letzten Monats auf dem Tisch liegt und deutlich höher ist als sonst, ist die erste Reaktion fast immer Freude. Die zweite Frage stelle dann ich: Woher kam der Anstieg? Nicht selten lautet die Antwort, dass ein Programm die Website abgeklappert hat – Zeile für Zeile, Seite für Seite, ohne je etwas kaufen zu wollen.

Ein Teil des Verkehrs auf jeder Website kommt von Maschinen. Manche davon brauchen Sie: Ohne den Crawler von Google stehen Sie in keiner Trefferliste. Andere holen sich Ihre Texte für KI-Antworten. Wieder andere greifen Preise ab oder klopfen Ihre Anmeldeseite auf Lücken ab.

Das Ärgerliche daran ist nicht, dass die Maschinen kommen – das lässt sich nicht verhindern und ist zum Teil erwünscht. Ärgerlich ist, dass sie in derselben Zahl landen wie Ihre Kunden. Und auf diese Zahl schauen Sie, wenn Sie entscheiden, ob sich eine Kampagne gelohnt hat.

Was da auf Ihrer Website unterwegs ist, wenn kein Mensch klickt

Bot

Ein Programm, das Websites automatisch aufruft, ohne dass ein Mensch davorsitzt. «Bot» sagt nichts über die Absicht: Der Suchmaschinen-Crawler und der Angriffs-Scanner sind beide Bots und haben nichts miteinander zu tun.

Crawler

Ein Bot, der Seite für Seite eine Website durchgeht, um ihren Inhalt zu erfassen – für den Index einer Suchmaschine oder für die Antworten eines KI-Systems. Er ist der Grund, weshalb Sie überhaupt gefunden werden. Ihn auszusperren macht Sie unsichtbar, nicht sicherer.

Scraper

Ein Bot, der Inhalte abgreift, um sie anderswo zu verwenden – Preise, Texte, Adressen. Er tarnt sich oft als gewöhnlicher Browser, weil er nicht auffallen will. Genau deshalb ist er der Typ, den Sie am schlechtesten erkennen.

User-Agent

Die Selbstauskunft, mit der sich ein Zugriff vorstellt: «Ich bin Googlebot», «Ich bin ein Chrome-Browser auf Windows». Es ist eine Behauptung, kein Ausweis – sie lässt sich in einer Zeile fälschen. Deshalb prüft man bei den wichtigen Fällen zusätzlich, ob die Adresse zur Behauptung passt.

Warum ich Bots trenne, statt sie auszusperren

Der Reflex, sobald von Bots die Rede ist, heisst «aussperren». Ich halte davon wenig, und zwar aus einem betriebswirtschaftlichen Grund: Die Bots, die am meisten Verkehr machen, sind meistens die, die Sie am dringendsten brauchen. Wer den Suchmaschinen-Crawler ausschliesst, verschwindet aus der Trefferliste. Wer die KI-Bots ausschliesst, taucht seltener in den Antworten auf, in denen Ihre Kunden zunehmend suchen. Sie hätten dann eine ruhige Statistik und keine Kundschaft.

Die technisch saubere Lösung ist unspektakulär: Man trennt. Sperren gehört auf die Server-Ebene und betrifft nur, was schadet – Scanner, die Ihre Anmeldeseite abklopfen, Scraper, die Ihre Inhalte abtragen. Filtern gehört in die Auswertung und betrifft alles, was keine Kundschaft ist. Das sind zwei verschiedene Entscheidungen, die regelmässig durcheinandergeraten, weil beides «Bot-Problem» heisst.

Was Sie davon haben, ist kein besseres Gefühl, sondern eine belastbare Bezugsgrösse. Ihre Konversionsrate – wie viele Besucher am Ende anfragen – ist eine Division. Steht im Nenner Maschinenverkehr, sieht jede Kampagne schlechter aus, als sie war. Und Sie streichen sie womöglich, weil ein Crawler denselben Monat fleissig war.

Was ich Ihnen nicht verspreche: eine saubere Trennung bis zum letzten Zugriff. Einen gut getarnten Scraper, der sich wie ein Mensch verhält, erkenne ich in Ihren Logs nicht mit Sicherheit – nur, wenn er in Menge auftritt. Das Ziel ist nicht die perfekte Zahl. Es ist eine Zahl, die Sie nicht in die falsche Richtung schickt.

Häufige Fragen

Soll ich LLM-Bots wie GPTBot oder ClaudeBot aussperren?

In der Regel nicht pauschal. Diese Bots tragen dazu bei, dass Ihre Inhalte in KI-Antworten auftauchen – ein Sichtbarkeitskanal, der wächst. Sinnvoller ist, sie bewusst zuzulassen und in der Analyse zu segmentieren, statt sie blind zu blockieren. Nur wenn Sie aus inhaltlichen oder rechtlichen Gründen nicht möchten, dass Ihre Texte in Trainings- oder Antwortdaten landen, ist ein gezielter Ausschluss sinnvoll.

Warum zeigt mein Analytics-Tool weniger Zugriffe als das Logfile?

Weil ein JavaScript-basiertes Trackingtool nur Besucher zählt, die das Skript im Browser ausführen. Bots, die kein JavaScript laden, fehlen dort komplett, tauchen im Server-Logfile aber auf. Die Differenz zwischen beiden Quellen ist kein Fehler, sondern ein guter Indikator für den Maschinenanteil an Ihrem Verkehr.

Sind Server-Logs datenschutzrechtlich harmloser als Tracking?

Nicht automatisch. Auch ein Logfile enthält IP-Adressen, und die gelten als Personendaten, sobald sie einer Person zugeordnet werden können. Für ein KMU heisst das: Logs nicht länger aufbewahren als für den Betrieb nötig und den Zugriff darauf auf die Personen beschränken, die ihn brauchen.

Reicht es, in Matomo oder Google Analytics den Bot-Filter zu aktivieren?

Es ist ein guter erster Schritt, aber kein vollständiger Schutz vor verzerrten Zahlen. Die Filter erkennen vor allem bekannte, brav gekennzeichnete Bots. Maschinen mit gefälschtem User-Agent oder JavaScript-Ausführung rutschen durch. Für ein ehrliches Bild brauchen Sie zusätzlich den Blick ins Logfile – und für die schädlichen Bots eine Massnahme auf Server-Ebene.

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