/ Stefan Kress

Datensparsame Webanalyse: was auch ohne Einwilligung möglich ist

Wer auf Cookies und Einwilligung verzichtet, muss nicht im Blindflug arbeiten. Aggregierte, anonyme Messung liefert Seitenaufrufe, grobe Herkunft, Geräteklassen, Ladezeiten und Fehler – und damit die Antworten auf die meisten Fragen, die ein Schweizer KMU an seine Website stellt. Was dabei bewusst aussen vor bleibt, ist das personenbezogene Profiling.

Was sich ohne Cookies und ohne Consent messen lässt

Eine cookielose Messung verzichtet auf seitenübergreifende Wiedererkennung. Sie zählt Besuche, statt einzelne Personen über Tage hinweg zu verfolgen. Das geht sowohl mit einem self-hosted Matomo im cookielosen Modus als auch mit datensparsam konfigurierten Alternativen.

  • Seitenaufrufe und Einstiegsseiten – welche Inhalte aufgerufen werden.
  • Herkunft grob – Suchmaschine, Direktaufruf, verweisende Website oder Kampagne.
  • Geräteklassen aggregiert – Anteil Mobil, Tablet, Desktop, ohne Einzelgerät zu identifizieren.
  • Technische Qualität – Ladezeiten, Fehlerseiten, abgebrochene Aufrufe.

Datensparsame Webanalyse beantwortet nicht jede denkbare Frage, aber fast jede, die für eine KMU-Entscheidung wirklich zählt.

Wo die Grenze verläuft: kein Profil, keine Geräte-Brücke, keine Wiederbesuchs-Kette

Ohne Einwilligung verzichten Sie bewusst auf bestimmte Auswertungen – und das ist eine Entscheidung, kein Mangel.

  • Personenbezogenes Profiling – das Zusammenführen vieler Einzelhandlungen zu einem Personenprofil.
  • Geräteübergreifendes Tracking – dieselbe Person über Smartphone, Laptop und Tablet hinweg wiedererkennen.
  • Langfristige Wiederbesuchs-Ketten – wer wann zum wievielten Mal kommt, individuell verfolgt.

Für Reichweite, Inhaltsqualität und technische Stabilität brauchen Sie diese Tiefe in aller Regel nicht.

Server-Logfiles als einwilligungsfreie Quelle

Jeder Webserver protokolliert ohnehin, welche Ressourcen abgerufen werden. Diese Logfiles entstehen ohne Cookie und ohne Skript im Browser – die Auswertung benötigt deshalb keine Einwilligung. Mit anonymisierten IP-Adressen lassen sich daraus Abrufzahlen, Bots, Fehlercodes und Lastspitzen ablesen, oft ergänzend zur klassischen Analyse.

Was die drei Messarten sehen – und was nicht

Die drei Wege schliessen sich nicht aus. Sie beantworten unterschiedliche Fragen, und die Wahl entscheidet, welche davon Sie überhaupt stellen können.

FrageCookielose MessungTracking mit EinwilligungServer-Logfile
Wie viele Seitenaufrufe gab es?ja, für alle Besuchernur für die einwilligendenja, für alle Zugriffe
Woher kam der Besuch?Referrer und Kampagnen-ParameterReferrer und Kampagnen-ParameterReferrer, sofern der Browser ihn sendet
Welches Gerät, welcher Browser?aggregiert als Klasseeinzeln zuordenbaraus dem User-Agent, ungeprüft
Wiederkehrender Besucher?nein bzw. nur kurzlebig geschätztja, über die Cookie-Laufzeitnein
Was wurde geklickt, wie weit gescrollt?ja, sofern als Ereignis erfasstjanein
Ladezeit beim echten Besucherjajanein, nur die Server-Antwortzeit
Zählt es Bots mit?kaum, Bots führen selten Skripte auskaumja – Bots müssen aktiv gefiltert werden
Braucht es eine Einwilligung?je nach Ausgestaltung neinjanein, das Log entsteht ohnehin

Wie Sie Ihre Messung datensparsam aufsetzen und nachprüfen

Datensparsamkeit ist kein Schalter, sondern eine Konfiguration – und sie ist überprüfbar. Die Reihenfolge ist wichtig, weil jeder Schritt den nächsten erst sinnvoll macht.

  1. Fragenliste vor der Technik. Schreiben Sie auf, welche drei bis fünf Fragen die Messung beantworten soll. Alles, was auf keine dieser Fragen einzahlt, wird nicht erhoben. Das ist die eigentliche Datensparsamkeit – der Rest ist Feinschliff.
  2. Cookies abschalten. In einem selbst gehosteten Matomo geschieht das im Tracking-Code (disableCookies). Danach speichert das Skript keine Besucher-Kennung mehr im Browser.
  3. IP-Adressen maskieren. Mindestens die letzten zwei Bytes verwerfen. Das kostet Sie die Ortsgenauigkeit unterhalb der Regionsebene – für ein KMU praktisch kein Verlust.
  4. Einwilligungspflichtige Funktionen deaktivieren. Keine User-ID, kein geräteübergreifendes Zusammenführen, keine Werbe- oder Remarketing-Funktionen, keine Datenweitergabe an den Anbieter.
  5. Aufbewahrungsdauer der Rohdaten begrenzen. Aggregierte Berichte dürfen lange bleiben, die Rohdaten nicht. Setzen Sie eine Frist und halten Sie sie technisch durch.
  6. Im Browser gegenprüfen. Seite im privaten Fenster öffnen, Entwicklerwerkzeuge, Reiter «Application»: Nach dem Besuch darf keine Analyse-Kennung unter Cookies oder im lokalen Speicher stehen. Im Netzwerk-Reiter prüfen Sie, an welche fremden Hosts Ihre Seite überhaupt Anfragen schickt.
  7. Datenschutzerklärung nachziehen. Was Sie erheben, was nicht, wie lange – in dem Detailgrad, in dem Sie es auch technisch durchhalten.

Zwei Fallstricke, an denen es in der Praxis scheitert:

  • Nicht die Analyse braucht den Banner, sondern der Rest der Seite. Sie konfigurieren Matomo mustergültig cookielos – und das eingebettete Video, die Kartendarstellung, das Chat-Widget oder die Schriftart vom fremden Server setzen weiterhin Cookies und laden Daten zu Dritten. Danach steht der Banner trotzdem da, und die ganze Übung war umsonst. Prüfen Sie die Einbindungen, bevor Sie die Messung anfassen.
  • «Cookielos» heisst nicht automatisch «ohne Wiedererkennung». Manche Werkzeuge ersetzen das Cookie durch eine kurzlebige Kennung, die sie aus IP-Adresse, Browser und Zeitfenster errechnen. Das ist keine Ewigkeitskennung, aber es ist eine Wiedererkennung. Wer datensparsam messen will, muss wissen, ob sein Werkzeug das tut – und wie lange diese Kennung gilt.

Datensparsamkeit als Voreinstellung erspart Ihnen den Banner

Das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG) legt nahe, nur so viele Daten zu bearbeiten, wie der Zweck verlangt. Wer von Anfang an datensparsam misst, braucht für die Analyse selbst keinen Cookie-Banner – genau diesen Weg geht analytics4kmu.ch bewusst. Weniger Datenerhebung heisst weniger Erklärungsbedarf, weniger Banner-Reibung und ein Setup, das Sie ruhigen Gewissens betreiben.

Sie können Ihre Website verstehen, ohne Ihre Besucher wiederzuerkennen

Wenn in einer Geschäftsleitung das Wort Datenschutz fällt, kippt das Gespräch fast immer in dieselbe Richtung: entweder messen wir alles und leben mit dem Banner, oder wir messen nichts und tappen im Dunkeln. Diese Wahl gibt es so nicht.

Zwischen den beiden Extremen liegt der Bereich, in dem die meisten KMU ohnehin arbeiten. Sie wollen wissen, welche Seiten gelesen werden, woher die Leute kommen, ob das Kontaktformular funktioniert und ob die Seite auf dem Handy schnell genug lädt. Für keine dieser Fragen müssen Sie wissen, wer die einzelne Person ist. Sie müssen nur zählen, nicht wiedererkennen.

Der Preis dafür ist ehrlich zu nennen: Sie sehen nicht mehr, dass derselbe Mensch dreimal in zwei Wochen da war, bevor er anrief. Sie sehen, dass es drei Besuche gab. Für die Frage, ob sich Ihr Newsletter lohnt, reicht das. Für ein Werbenetzwerk, das personalisiert ausspielen will, reicht es nicht – aber das ist selten das Geschäft eines Schweizer KMU.

Warum «cookielos», «anonym» und «ohne Banner» drei verschiedene Dinge sind

Cookielose Messung

Eine Messung, die im Browser des Besuchers nichts ablegt, was ihn beim nächsten Besuch wiedererkennbar macht. Sie zählt den Besuch und vergisst die Person danach. Verloren geht damit die Verbindung zwischen mehreren Besuchen derselben Person – die reine Zählung bleibt vollständig.

IP-Anonymisierung

Eine IP-Adresse ist die Nummer, unter der ein Gerät im Netz erreichbar ist – jeder Besucher Ihrer Website bringt eine mit. Die Anonymisierung verwirft die letzten Stellen dieser Nummer, bevor sie gespeichert wird. Übrig bleibt eine grobe Region statt eines eindeutigen Anschlusses. Sie sehen dann, dass jemand aus der Ostschweiz kam, nicht, aus welchem Büro.

Server-Logfile

Das Protokoll, das Ihr Webserver beim Ausliefern jeder Seite ohnehin schreibt, ganz ohne Skript im Browser. Es sieht deshalb auch die Besucher, die jede Messung ablehnen – dafür sieht es nicht, was jemand auf der Seite tut, und es zählt Suchmaschinen und Bots munter mit.

Warum ich lieber die Messung kleiner mache als den Banner grösser

Ein Cookie-Banner ist kein Datenschutz. Er ist die Verlagerung einer Entscheidung, die Sie treffen müssten, auf einen Besucher, der sie in einer halben Sekunde wegklickt. Und er kostet Sie etwas: Jede Ablehnung ist ein Besucher, den Sie nicht mehr in Ihren Zahlen haben. Sie zahlen also mit Reichweite in der Messung für Daten, die Sie meistens gar nicht brauchen.

Deshalb drehe ich die Frage um. Nicht: Was könnte ich alles erheben, und wie hole ich mir die Erlaubnis dafür? Sondern: Welche Frage muss ich beantworten, und wie wenig Daten reichen dafür? Bei den allermeisten KMU-Websites lautet die Antwort: erstaunlich wenig. Wer wissen will, ob die neue Leistungsseite gelesen wird und ob daraus Anfragen entstehen, braucht kein Personenprofil, sondern eine saubere Zählung und ein definiertes Ziel.

Wirtschaftlich rechnet sich das doppelt. Sie sparen sich den Banner und die Reibung, die er erzeugt – und Sie messen wieder alle Besucher statt nur die zustimmenden. Was in Ihren Zahlen an Tiefe fehlt, gewinnen Sie an Vollständigkeit zurück. Für eine Budget-Entscheidung ist das der bessere Tausch.

Was ich Ihnen nicht verspreche: dass Sie damit jede Frage beantworten. Wenn Ihr Geschäft auf personalisierter Werbung beruht oder Sie eine Kaufreise über Wochen und drei Geräte nachzeichnen müssen, führt an einer Einwilligung nichts vorbei. Dann sollten Sie sie aber auch bewusst einholen – und nicht bloss, weil das Werkzeug es so vorgeschlagen hat.

Häufige Fragen

Reicht datensparsame Analyse für eine KMU-Website?

In den meisten Fällen ja. Reichweite, beliebte Inhalte, Herkunft der Besuche und technische Probleme erkennen Sie auch ohne Cookies. Erst sehr spezifische, personenbezogene Auswertungen erfordern mehr – und damit eine Einwilligung.

Geht das nur mit Matomo oder auch mit Google Analytics?

Beide lassen sich datensparsam einsetzen. Entscheidend ist die Konfiguration: keine seitenübergreifende Wiedererkennung, anonymisierte IPs und der Verzicht auf einwilligungspflichtige Funktionen. Self-hosted Matomo gibt Ihnen dabei mehr Kontrolle über den Datenstandort.

Brauche ich dann gar keinen Cookie-Banner mehr?

Bei einer konsequent datensparsamen Messung, die niemanden über die Sitzung hinaus wiedererkennt, ist in der Schweiz häufig kein Einwilligungsbanner für die Analyse selbst nötig. Sobald Sie aber einwilligungspflichtige Dienste einsetzen – etwa Marketing-Tags Dritter –, ändert sich die Lage. Die Web-Standortbestimmung von analytics4kmu.ch zeigt, welcher Weg zu Ihrer Website passt.

Ich liefere Google-Werbung aus oder schalte Google Ads — ändert das etwas?

Ja, und zwar unabhängig vom Schweizer Recht. Wer auf seiner Website Google-Anzeigen ausliefert (AdSense, Ad Manager, AdMob), muss die Einwilligung seit dem 31. Juli 2024 über ein von Google zertifiziertes Werkzeug einholen – und die Schweiz ist dabei ausdrücklich mit erfasst, obwohl sie nicht zum EWR gehört. Wer umgekehrt Kampagnen schaltet, muss das Einwilligungssignal bisher nur für Publikum im EWR und in Grossbritannien übermitteln, nicht für schweizerisches. Das sind Bedingungen von Google, keine Vorgaben des revDSG – wer sie nicht erfüllt, bekommt aber nur noch nicht-personalisierte Werbung ausgespielt. Rechnen Sie damit, dass Google diese Grenze eher weiter angleicht als lockert.

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